{"id":226,"date":"2009-05-05T15:28:06","date_gmt":"2009-05-05T13:28:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.apartment666.de\/blog\/?p=226"},"modified":"2009-05-12T08:09:30","modified_gmt":"2009-05-12T06:09:30","slug":"kein-haus-gerd-schneider-gesellschaft-zu-gast-in-der-schmidtstrasse12","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.apartment666.com\/blog\/2009\/05\/05\/kein-haus-gerd-schneider-gesellschaft-zu-gast-in-der-schmidtstrasse12\/","title":{"rendered":"Kein Haus &#8211; Gerd Schneider Gesellschaft zu Gast in der schmidtstrasse12"},"content":{"rendered":"<p>Folge 11 hat es thematisiert: mit dem Durchsto\u00dfen der Au\u00dfenwand betritt Gerd Schneider Neuland oder, als alternative Strategie, er verweilt und passt seinen Blick dem eng gewordenen Raum an \u2013 Assimilation als Grenz\u00fcbertritt. Letzteres l\u00e4sst sich vor Ort nicht mehr erproben, denn das Gasthaus schmidtstrasse12 l\u00f6st sich auf. Also: neues Gel\u00e4nde.<br \/>\nGerd Schneider bezieht ein Grundst\u00fcck im nieders\u00e4chsischen Wald und erprobt seinen Blick auf vier mal acht Metern. Was er vorfindet ist ein un\u00fcberschaubares Terrain, Waldboden, nicht zu \u00fcberschauen weil zu komplex, mit zu vielen Details ausgestattet, und stetig wird er auf neue sto\u00dfen. Kein intuitives Erfassen, kein coup d\u00b4\u0153il, denn das Auge fliegt nicht \u00fcber die Dinge, es heftet sich an sie, saugt sich an.<\/p>\n<p>Den Plan zu seinem Waldexperiment formulierte Gerd Schneider bereits 1960 w\u00e4hrend seines Kanadaaufenthalts in dem Text LACKING HOUSE. Er beschreibt die F\u00e4higkeit eines Mannes, Gegenst\u00e4nde auch noch in minimaler Distanz fokussieren zu k\u00f6nnen. In einer Art D\u00e4mmerzustand sieht er ein Schwarz\/weiss-Bild, dessen Linien und Formen ihn an ein Erlebnis in seiner Kindheit erinnern:<\/p>\n<p>\u00bb[\u2026] And in fact, the darkness he saw, was a complex figure of lines and areas that reminded him of a wool sweater he once saw through a microscope in school when he was a child.<br \/>\n[\u2026]<br \/>\nOne night \u2013 meanwhile he was already perfectly acquainted with his<br \/>\nimpressive panorama \u2013 he realised a nagging pain in his back. He sat up and what he now saw was enormously amazing. He was looking at a red wool sweater that his face was plunged into &#8211; he had probably  fallen onto the table with his head, drunk &#8211; and lay there for ages. [\u2026]\u00ab<\/p>\n<p>Mit der Erkenntnis, \u00fcber ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Sehwerkzeug zu verf\u00fcgen, entstand der Plan detaillierte Beobachtungen am Boden zu machen. Dabei wird er die Erfahrung machen, vertraute Umgebung mit neuen Augen zu sehen, eine Erfahrung die Gerd Schneider bereits in seinem Langzeitprojekt VILLA beschreibt \u2013 als Krisentaktik des 13j\u00e4hrigen Jungen Paul, der sprichw\u00f6rtlich eine T\u00fcr \u00f6ffnet, aber, anders als seine Schwester, die den Weg der Zerst\u00f6rung w\u00e4hlt, dem Anblick des Unbekannten standh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Im Keller, dem Ort der gesteigerten Klaustrophobie gibt Paul sich selbstvergessen dem Sehen hin. Es ist nur ein kleiner Schritt in den Wald, aber einmal dort angekommen l\u00e4sst er das Vorherige weit hinter sich.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Folge 11 hat es thematisiert: mit dem Durchsto\u00dfen der Au\u00dfenwand betritt Gerd Schneider Neuland oder, als alternative Strategie, er verweilt und passt seinen Blick dem eng gewordenen Raum an \u2013 Assimilation als Grenz\u00fcbertritt. 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