>träumer< premiere am schauspielhannover

18-10-2009 GEPOSTET VON bob

nach dem Roman von Gilbert Adair


Foto: Karl-Bernd Karwasz

Der junge US-Amerikaner Matthew flieht vor dem Vietnamkrieg und trifft in Paris das eigenartige Geschwisterpaar Theo und Isabelle. Die drei sind echte Fanatiker des Films und verbringen jeden Tag im Kino. Die politischen Unruhen im Pariser Mai führen dazu, dass ihre Cinémathèque geschlossen wird, und so ziehen sich die drei Freunde zurück in die elterliche Wohnung. Abgeschlossen von den Vorgängen auf der Straße beginnen sie mit einem Szenenratespiel. Wer den Film nicht errät, muss den Befehlen der anderen gehorchen. Das Spiel lässt schnell jegliche Grenzen von Moral und Norm hinter sich und wird zu einer erschreckend offenen Suche nach der eigenen Identität. Die Wohnung wird zur camera obscura, in der das geheimste Begehren regiert. Die Träumer verlieren sich in einer Welt von Eigenbezüglichkeit und Intimität, während vor ihren Türen die Jugend des Landes zur Weltrevolution ruft.

Der Roman von Gilbert Adair verknüpft geschickt die sexuelle Initiation mit der politischen. Inmitten der revolutionären Umbrüche träumen Matthew, Theo und Isabelle von einer anderen, möglichen Lebensform. Doch am Ende müssen sie merken, wie wenig dies mit der realen Welt zu tun hat. Die Ideale der Menschheitsverbesserung gelingen immer nur im privat Abstrakten. Im Angesicht des Elends müssen wir Position beziehen, und alle träumerische Rhetorik verkommt im Moment der Handlungen. Die Weltverbesserer von heute reden wie ihre bürgerlichen Eltern – die Revolutionäre von gestern – immer das Richtige. Doch selten erreicht das Wahre und Schöne das Gute – von den Wiedertäufern in Münster 1543 bis zu den Kerzenträgern in Leipzig 1989.

Besetzung Sebastian Weber, Dominik Maringer, Elisabeth Hoppe, Sachiko Hara, Regie Robert Lehniger, Bühne und Kostüme Irene Ip, Video Bert Zander

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